Was ist der Interbankenmarkt?

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Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2019

Das Wichtigste in Kürze

  • Banken & Unternehmen nutzen den Interbankenmarkt, um sich gegen Währungsschwankungen abzusichern
  • Privatpersonen können über Forex-Broker daran teilnehmen

Beim Interbankenmarkt handelt es sich um das globale Netzwerk der internationalen Banken, die sich gegenseitig Geld leihen. Auch wenn es sich zum Großteil um die Banken selbst handelt, die sich untereinander mit Devisen versorgen, so treten manche Banken in einigen wenigen Fällen nur als Vermittler großer Kunden auf. Grundsätzlich dient der Interbankenmarkt dazu, das Wechselkurs- und Zinsrisiko steuern zu können.

Dabei hat der Interbankenmarkt für Devisen vor allem zwei Ziele im Sinne. Zum einen nämlich dient er dem kommerziellen Umsatz von Devisenanlagen. Ebenso steht auch der spekulative kurzfristige Devisenhandel im Mittelpunkt. Interessant sind dabei auch die Laufzeiten. Denn insbesondere zwei Laufzeiten haben sich vor allem durchgesetzt: zwei Geschäftstage oder aber sechs Monate.

Wichtige Voraussetzung bei diesem Handel ist natürlich das gegenseitige Vertrauen. Denn ohne dieses ist das Verleihen des Geldes natürlich schwierig möglich. Gerade seit der Finanzkrise allerdings ist das Vertrauen mitunter doch etwas eingeschränkt, sodass sich dies auch auf dem Interbankenmarkt verdeutlichte. Ebenso gab es in den vergangenen Jahren viele Geschäfte, die vor allem mit Banken aus dem gleichen Herkunftsland abgeschlossen wurden, da das Vertrauen in Banken aus dem Ausland sank. Zuletzt jedoch erlebte der Interbankenmarkt wieder einen Aufschwung. Grund genug also, auf die Details des Interbankenmarktes zu schauen, dessen Ursprung im Zusammenbruch des Bretton-Woods-Abkommens sowie der Entscheidung aus dem Jahr 1971 des damaligen US-Präsidenten Richard Nixon liegt, das Land vom Goldstandard abzunehmen.

Als Privatperson kann am Interbankenmarkt über manche Broker wie zum Beispiel XTB teilgenommen werden.

Wie funktioniert der Interbankenmarkt im Detail?

So weit so gut, blicken wir nun aber auf die Details. Wissenswert ist beispielsweise, dass die Mindesthandelsgröße beim Interbankenmarkt eine Million der jeweiligen Basiswährung beträgt, also 1 Million Euro, 1 Million US-Dollar, etc. Da dies aber die Mindestgröße ist, dürfte schnell klar sein, dass in der Praxis weitaus größere Summen gehandelt werden. So sind Trades zwischen 10 und 100 Millionen Euro oder US-Dollar eine Art Routine. Selbst größere Volumen handeln die Banken mitunter, wobei es sich aber bei diesen Geschäften nicht um den Devisenterminmarkt handelt. Ebenso kann der Handel von Forex-Währungspaaren erfolgen.

Dabei legen die beiden Banken bei den Trades nicht nur den Währungsbetrag genau fest, sondern natürlich auch die Kurse und das genaue Datum. Übrigens entwickelte sich der Spotmarkt ohne größere staatliche Aufsicht, sodass es hierfür auch keine Regulierungsbehörden gibt. Stattdessen gelten die lokalen oder nationalen Bankenvorschriften. Für die Banken ist der Interbankenmarkt eine wichtige Quelle, um sich Geld zu beschaffen.

Der Interbankenmarkt ermöglicht es den Banken, Gewinn aus den Finanzdienstleistungen zu erzielen und ist dabei 24/7 geöffnet. Denn sie berechnen höhere Zinssätze als sie beim Kauf der Mittel im Interbankenmarkt aufwenden mussten. Oder aber die Bank refinanziert sich. Im Übrigen sind im Interbankenmarkt nicht nur die großen Finanzinstitute wie JP Morgan Chase, Deutsche Bank, Goldman Sachs oder die Royal Bank of Scotland anzutreffen, sondern hunderte internationale Baken und Finanzunternehmen.

Die Referenzzinssätze

Für den Interbankenmarkt kommen international anerkannte Referenzzinssätze zur Anwendung. Dabei handelt es sich natürlich vor allem um EURIBOR, LIBOR und EONIA. Bei erstgenanntem, der European Interbank Offered Rate, handelt es sich um einen international repräsentativen Euro-Geldmarktzinssatz. Dieser kommt unter Banken bei unbesicherten Euro-Geldanlagen für bis zu maximal einem Jahr zur Anwendung. Die London Interbank Offered Rate (LIBOR) wiederum ist der Referenzzins für unbesicherte Geldmarktkredite der international tätigen Banken. Hierbei dürfen die Geschäftslängen zwischen einem Tag und maximal 12 Monaten betragen. Dahingegen ist der EONIA (Euro Overnight Index Average) für unbesicherte Tagesgelder im Interbankengeschäft gedacht.

Absicherung: Nettingvereinbarungen und Datenerhebung

Um die mit der Abwicklung verbundenen Risiken zu verringern, erfolgt zumeist der Abschluss von Nettingvereinbarungen zwischen den beiden Banken. Dadurch wird sichergestellt, dass ein Gegengeschäft innerhalb des identischen Währungspaares getätigt wird. Dieses muss dann genau am selben Tag abgewickelt werden wie das Gegengeschäft. Somit können die Banken die Ausfallrisiken drastisch reduzieren, die bei einem Handel auftreten können.

Da der Interbankenmarkt wie schon angeführt nicht reguliert ist, erheben die meisten Zentralbanken nach Einschätzung von Marktbeobachtern Daten der jeweiligen Teilnehmer. So kann eine Beurteilung erfolgen, ob wirtschaftliche Auswirkungen vorhanden sind. Da sich Probleme bei diesen Geschäften direkt auf die Stabilität der Banken auswirken können, muss eine Überwachung des Marktes erfolgen.

Denn natürlich ist der Interbankenmarkt nicht vollkommen ohne Risiko behaftet. Zum einen sind da die typischen Marktpreisrisiken. Darüber hinaus verbirgt sich – wie nicht zuletzt die Finanzkrise 2007/2008 gezeigt hat – auch eine andere Gefahr. Denn es kann vorkommen, dass der andere Handelspartner aufgrund einer Insolvenz nicht mehr seine Gegenleistung erbringen kann. Bestes Beispiel hierfür ist natürlich die Insolvenz der Lehman Brothers im September 2008, die dadurch ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte.

Sebastian Neumer

Sebastian Neumer

Der begeisterte Privatinvestor und Fintech-Enthusiast schreibt regelmäßig Ratgeberartikel in den Bereichen Geldanlage & Finanzen. Nach vielen Jahren im Sales-Bereich und simultanem Studium der Wirtschaftswissenschaften, entschied er sich, sein erworbenes Wissen als Finanzjournalist weiterzugeben.
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